Beste Sätze (VIII)

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(c) i!!y/Flickr.cc

Einer der besten und auch bekannteren Sätze in der Literatur kommt von Hermann Melville und seinem Schreiber Bartleby:

„I would prefer not to.“

Nicht, dass Verweigerung das Prinzip zum Glück wäre. Aber der  Mut zur bewussten Verneinung tut gut, wo er angebracht ist.

Am Wochenende bin ich seit langem wieder mal mit dem Zug gefahren. Und hatte seit langem wieder mal die Muße, gemächlich Zeitung zu lesen. Im „Standard“ bin ich auf den Essay von Andrea Heigl gestoßen, die von ihrem persönlichen Bartleby-Moment erzählt: wie sie sich eine Auszeit vom Arbeitsleben und vom ständigen Druck zu „funktionieren“ verschafft hat. Was sie beschreibt, gilt wohl für viele der Generation der Um-die-30-Jährigen, die sie nicht mit „Y“ oder „Maybe“ tituliert, sondern mit dem recht anschaulichen Bild des Gummiringerls charakterisiert: dehnbar und bis zum Zerreißen angespannt. „Aber wenn das Gummiringerl nicht nach einer gewissen Zeit wieder entspannt wird, dann wird es porös und läuft Gefahr, unwiderruflich zu reißen“, schreibt Heigl.
Bartleby warnt uns, rechtzeitig höflich abzulehnen. Seine Geschichte geht übrigens nicht gut aus, die Verneinung mündet ins Nichts und die Wahlfreiheit stellt sich als Illusion heraus. Aber wollen wir uns von der Literatur abschrecken lassen? Danke, lieber nicht.

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