Bücher kaufen (II): Buy local – ein Versuch

„Buy local“ – „Kauf vor Ort“: Der Nachhaltigkeitsgedanke hat die Buchwelt erreicht. Mit dieser Aufforderung wehrt sich der Einzelhandel gegen globale Konzerne. Warum im Internet bestellen, wenn der Buchladen um die Ecke dasselbe Angebot führt oder zumindest ordern kann? Jeder Euro, der in der Region bleibt, nutzt letztlich dem Verbraucher.

„Buy local“, sagte auch ich mir, als ich trotz voller Buchregale wieder einmal Bücher „haben“ wollte. Ein englischsprachiger Roman, 2012 erschienen und in den USA durch Feuilleton und Blogs gelobt, hatte meine Neugierde erregt, dazu lockte eine (wenn auch nicht mehr neue) Graphic Novel. Um die Trefferquote bei der Büchersuche zu erhöhen, wandte ich mich an Spezialbuchläden. Den Roman, dachte ich mir, könnte eine in Wien ansässsige englischsprachige Buchhandlung führen, und fragte dort per E-Mail an. Die Antwort kam einen Tag später: Das Buch würde erst in den nächsten Tagen erscheinen, man könne es aber bestellen. Ich schrieb zurück, dass das Buch sehr wohl bereits erschienen sei und wie lange das Bestellen dauern würde. Die Antwort kam – nicht. In Sachen Graphic Novel suchte ich einen Comicbuchladen auf, der den Titel tatsächlich führte – allerdings nur in der Originalausgabe, nicht in der preiswerteren Edition, in der ich ihn anschaffen wollte. Amazon lieferte mir die gewünschten Bücher drei Tage später vor dem Frühstück in die Wohnung. Sorry, locals. Aber ich komme wieder.

„Buy local“ ist eine gute Forderung und sicher umsetzbar, sofern man aktuelle Bücher oder gängige Bestseller sucht; jedenfalls empfehlenswert, wenn man sich vom Angebot einer gut sortierten Buchhandlung inspirieren lassen will; doch hierzulande noch an Grenzen stoßend, wenn man gezielt Bestimmtes sucht: etwas Altes, eine spezielle Ausgabe oder Literatur in einer anderen Sprache. In den USA sind „Buy local“-Initiativen bereits erfolgreich etabliert, auch in Deutschland wurde eine Kampagne gestartet. Die teilnehmenden Buchhandlungen müssen gewisse Standards erfüllen: geschultes Personal zum Beispiel, Webauftritt und Online-Shop. In Österreich sind einzelne Buchhandlungen sehr aktiv. Schön wärs, wenn es auch hier zu einer gebündelten Initiative käme – auf dass es nicht bei „Try local“ bleibt.

Ein Kommentar zu „Bücher kaufen (II): Buy local – ein Versuch

  1. Nötiger Nachtrag: Und angesichts des (nach dem Verfassen obigen Postings heiß entfachten) Amazon-Skandals, der die ethischen Schwellen zum praktischen Bestellen beim Internet-Giganten noch mal höher schraubt, wären starke und gut kommunizierte lokale Alternativen noch einmal so wichtig …

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